Punk Rock

Entstehung und Ursprünge Punk Rock

Punk Rock setzt sich aus dem Englischen Wort „punk“ was für Schund, Dreckskerl oder wertloses Zeug verwendet wird, und dem Begriff rock zusammen. Die Stilrichtung der Rockmusik gab es sowohl als Bewegung in der britischen Rockmusik als auch in der amerikanischen Rockszene. Beide Perioden haben nichts miteinander gemeinsam und liefen auch zeitlich unabhängig voneinander ab. Von New York und London aus entwickelte sich Mitte der 1970 er Jahr der Punk Rock als Musikrichtung der Subkultur der Punks. Daraus entstanden zahlreiche Stilrichtungen und der zur Musik passende Tanzstil Pogo.

Punk war nicht nur Musik sondern auch ein Lebensentwurf, der nichts mit der damals geltenden Werteordnung zu tun hatte. Die Jugendkultur der Punks lehnte alles ab und bezog stets eine extreme Anti- und Verweigerungsposition. Durch stilsichere äußerliche Merkmale waren die Anhänger der Punkszene an ihren Irokesenfrisuren, Springerstiefel, Sicherheitsnadel, Nietenhalsbändern und Piercings sofort zu erkennen. Sie setzen sich bewusst von anderen Stilrichtungen ab und wollten genau damit ihre Antihaltung deutlich für Jedermann sichtbar machen.

„Reiner Rock ’n’ Roll ohne Bullshit“


Kein geringerer als Tommy Ramone, Gründungsmitglied der Punkrock Band The Ramones, äußerte diesen Satz 1973. Die Rockmusik war zu zahm geworden und der Progressive Rock zu artifiziell, also zu künstlich und aufgesetzt. In Zeiten, in denen die Musik von Billy Joel oder Simon & Garfunkel als Rock bezeichnet wurde, standen die überzeugten Rockfans mehr für wilde und rebellische Musik. Außerdem waren sie auf der Suche nach einer Musik, die gleichzeitig die Ablehnung des politischen Idealismus und der kalifornischen Hippy-Bewegung deutlich macht. Diese fanden sie schlichtweg albern. Patti Smith allerdings, auch „Gotmother of Punk“ genannt, fand die Hippies durchaus auf gleicher Ebene wie die Punks. Beide lehnten das vorhandene Establishment ab.



No Elvis, No Beatles, No Rolling Stones


So hieß das 1977 von der legendären Punkbank The Clash veröffentlichte Album. Die populärsten Protagonisten der damaligen Musikszene setzten damit sowohl musikalisch als auch kulturell die Ära auf das Jahr Null. Dabei gab es schon ein paar Jahre vorher die ersten Anzeichen. Auf der Plattenhülle der „The Golden Filth“ der Band Fugs im Jahr 1970 findet sich der Begriff Punk bei der Besetzung: „Ed Sanders: Punk“. Lenny Kaye, späterer Gitarrist bei Patti Smith und Jac Holzman, der Gründer von Elektra Records, brachten 1972 ein Sammelalbum heraus, auf dem sich Aufnahmen aus den Jahren 1965 bis 1968 befanden. Und in den Liner Notes (Begleitheft) taucht dabei der Begriff Punk von Kaye auf. Damit übernahm er wohl unwissend, auch die Rolle des Vorreiters für den Punk Rock.


Die Stilrichtung


Der Punk Rock hatte erheblichen Einfluss auf die Rockmusik und stieß ein nahezu vollständiges Umdenken in der Rockmusik an. Ende der 60 er Jahre arbeitete Danny Fields für Elektra Records und nahm die damals noch völlig unbekannten Bands MC5 und The Stooges unter Vertrag. MC5 aus Detroit propagierte das Leben mit dem Credo: Sex, Drugs & Rock’n Roll. The Stooges mit dem Gründungsmitglied Iggy Pop sorgte bei Auftritten gerne für Skandale. Mit dem provokativen Bühnenverhalten, wie etwa dem Einschmieren der nackten Brust mit Erdnussbutter oder dem Zufügen von Schnittwunden mit Glasscherben während der Konzerte, traf die Punk Rock Band den Nerv ihrer Fans. Ihre Lieder wurden später von vielen anderen Bands der Post-Punk-Ära gecovert. Laut dem Musik Magazin Rolling Stone gehören die Stooges mit Platz 78 zu den 100 größten Musikern aller Zeiten.



1975 wurden die Ramones von Fields entdeckt. Im New Yorker Club CBGB  hatte die Band einen Auftritt und Danny Fields war begeistert. Es folgten noch die Punklegenden The Dead Boys und die Punklegende Richard Hell, der zum ersten Mal auf der Bühne erschien mit der nach oben gegelten Stachelfrisur, dem zerrissenen T-Shirt und einer schwarzen Lederjacke. Er wurde zum intensiven Förderer der Punkrock Bewegung und setzte die modischen Akzente noch vor den Sex Pistols. Sie traten 1975 ebenfalls zum ersten Mal auf, wurden aber erst Ende 1976 in Großbritannien bekannt.


Ein minimalistischer Drei Akkorde Musikstil mit einem nicht wirklich schwer erlernbaren Power-Chord Gitarrengriff machte die Musik der Punk Rock Bands vor allem aus. Typischerweise bestanden sie aus einem E-Bassisten, einem Schlagzeuger, 2-3 Gitarristen und einem Sänger. Betont roh und mit schlichten Effekten, die zum Tanz animieren sollten, waren charakteristisch. Auch dass mehr ins Mikro gebrüllt als gesungen wurde und die Textfetzen Stakkato-schnell und meist unverständlich waren, steht für die Musikrichtung der Punk Bewegung.
Eine aggressive Grundausrichtung mit der kritischen Botschaft oder einem lauten Protest war in fast allen Songs deutlich zu hören. Übersteuerungen der Musikverstärker waren gewollt und lange Intros verpönt. Man kam schnell zur Sache und agierte bei authentischen Punk Konzerten mit den Zuschauern. Die einzelnen Stücke waren meist sehr kurz, maximal 2 Minuten und der Sprung in das Publikum endete nicht selten mit dem freien Fall, da kein Zuschauer den Musiker aufgefangen hatte.

Der Tanz dazu: Pogo


Als Anti-Disco-Tanz im Jahr 1976 entstanden, war er als Gegentanz zu den gleichförmigen und langweiligen Diskotakten gedacht. Der Pogo wird auf den Live Events der Punkszene und in der Gruppe vor und auf der Bühne getanzt. Ursprünglich waren es nur unkontrollierte Luftsprünge. Da aber die Musik immer aggressiver wurde, wurden auch die Bewegungen im Pogo immer heftiger. Als Erfinder gilt Sid Vicious, Bassist der Sex Pistols, der unter Drogen bei einem Konzertbesuch wild auf und ab sprang und dabei andere Besucher anrempelte. Von Musikreportern beobachtet, dachten diese, es handelte sich um einen neuen Tanzstil. Dabei haben diese den Namen Pogo gewählt, weil Vicious wirkte, als würde er auf einem Pogostab/Springstock hüpfen.
Link mit Erklärung Pogostab: https://de.wikipedia.org/wiki/Springstock


Bill Grundy und der Sex Pistols Skandal


Grundy war ein englischer Fernsehmoderator, der vor allem wegen einem chaotischen Auftritt der Punkband Sex Pistols in seiner Sendung bekannt wurde. Das Interview, dass ihm zwar seinen Job kostete, ihn aber nahezu unsterblich machte, fand im Dezember 1976 statt. Als Vertretung für die Queen wurden in letzter Sekunde die Sex Pistols samt Gefolgschaft in das TV Studio eingeladen. Wichtig zu erwähnen ist noch der Ausstrahlungszeitpunkt am Nachmittag.

William Grundy war bekannt für seine ironische und provozierende Art. Schon bei der Vorstellung fing der Moderator an und bezeichnete die Bandmitglieder als genauso betrunken wie er selbst. Dann frug er nach den 40.000 Pfund, die die Band von ihrer Plattenfirma erhalten hatte. Glen Matlock war zu dieser Zeit auch schon mächtig in Fahrt und antworte mit dem Schimpfwort „fuckin“, dass das Geld ausgegeben sei. Für damalige Verhältnisse war es unglaublich, dass an einem Nachmittag ein Interview mit Schimpfwörtern über den Sender ging. Aber genauso war es und der Skandal war da.



Offensichtlich gefiel Grundy das Spiel und so frug er weiter. Angesprochen auf Beethoven, Mozart, Bach und Brahms antworten die Bandmitglieder, dass sie alle bereits tot wären und natürlich wundervolle Musiker gewesen seien. Grundy kannte keine Gnade und reizte weiter. Als Ergebnis bettelte er förmlich um weitere Schimpfwörter, die man ihm entgegen rief. Dann wollte er sich noch mit Siouxsie Sioux nach der Sendung treffen und erntete auch dafür eine ganze Reihe von üblen Beschimpfungen, die alle unzensiert ausgestrahlt wurden.


Die Ikonen der Punk-Bewegung: Die Sex Pistols


Ganz England kannte nun die Sex Pistols und es gelang ihnen damit der Durchbruch in Großbritannien. Es folgten Generation X, London SS, The Clash und die Romanes, die ebenfalls im Königreich ihren großen Durchbruch feiern konnten. Doch bevor es zu den ganz großen Verträgen kam, begann auch schon der Ausverkauf der Szene. Doch das Jahr 1977 war zu Recht das „Jahr des Punk Rock“. In den Texten wurden die Aggression und die Hoffnungslosigkeit der britischen Jugendlichen ausgedrückt. John Lydon, der Sänger der Sex Pistols, war ideal dafür, denn er galt als extrovertiert und nicht zimperlich im Aussprechen deutlicher Anti-Botschaften. Besonders gegenüber der Band Pink Floyd, die er als natürlicher Gegner ansah.


Nicht nur mit der Musik machte die Punkband von sich reden. Mit dem selbstzerstörerischen Lebensstil der Mitglieder gingen Exzesse, Drogen und auch frühe Todesfälle einher. Ihr Musikstil war mit Reggae-Rhythmen versetzt und galt als minimalistisch. Während der kurzen Band Historie von 1975 bis 1978 wurden die Sex Pistols zur Punkband schlechthin. Ihr Manager, Malcom McLaren, steht für die breite Kommerzialisierung der Punk Bewegung.



Dagegen standen The Clash für Themen wie Polizeiterror oder soziale Diskriminierung und die Ramones für eher poppigen Punk. In Deutschland gehen aus dieser Zeit die Toten Hosen und die Band Fehlfarben hervor.


Das Ende des Punk Rock


Um 1980 rum begann das Ende der Ära. Der Punk Rock hatte nicht die erwartete Umwälzung der Rockmusik bewirkt und am Ende eher die New Wave Welle vorbereitet. Die Sex Pistols lösten sich nach nur einigen Singles und einer LP auf und ihr Sänger, Johnny Rotten gründete die Band Public Image Ltd. Dabei spielte der Punk keine große Rolle mehr. The Clash, die anderen Gottväter des Punk Rock, wandten sich zu gut überlegter und gestalteter Musik zu.

Einige Gruppen blieben dem aggressiven Tenor treu. Andere wieder entfernten sich weit von den eigentlichen Ursprüngen. Es gestalteten sich drei Stilrichtungen aus, die allesamt sich um die Beginne der 80 er Jahre zeigten:


1. Der musikalische Credo blieb erhalten, die Musik wurde jedoch politischer.
2. Punk wird als Show inszeniert, etwa durch Sex Pistols und Ramones
3. Die Bands der Stilrichtungen New Wave und Independent, bei denen der Grundgedanke des Punk Rock, also das Erheben der Stimme gegen die konservative Meinung, erhalten blieb.


Weitere Stilrichtungen entwickelten sich als Subgenres und konkurrierten teilweise stark untereinander. Es gab regelrechte Rivalitäten unter den Vertretern der Stilrichtungen und ihren Musik Labels.



Dazu gehörten die folgenden Musikrichtungen:
-Hardcore Punk
-Anarcho Punk
-Folk Punk, zum Beispiel der Pouges
-Psychobilly
-Gothic Rock
-Death Rock
-Psychedelic Rock
-Glam Rock

Und vor allem die Oi! Musik, die auch unter den Skinhands ihre Anhänger fand, ging aus dieser Zeit hervor. Entstanden ist diese Musikrichtung als Punk Rock für die Jugendlichen der Arbeiterklasse in Großbritannien. Sie folgten damit dem Protest gegen die inzwischen aufgeblasene und kommerziell ausverkaufte Punkbewegung. In ihren Texten ging es um Alkohol, Sex, Fußball und die Musik. In Deutschland gehören die Böhsen Onkelz (frühe Jahre) zu dieser Richtung. In England waren es vor allem die beiden Oi!-Punk Bands Angelic Upstarts und Cockney Rejects. In den USA konzentrierte sich die Branche dann eher auf die Hardcore Bewegung mit zum Beispiel den Dead Kennedys.



Punk Fashion


Kleidung als Zeichen der Ablehnung. Und normale Alltagsgegenstände wurden einfach zweckentfremdet. Fertig war die Punk Fashion. Ein typisches Bild eines britischen Punks im Jahr 76/77 sah folgendermaßen aus:


Zerschlissene Anzüge mit Sicherheitsnadeln oder einem Hundehalsband. Auffällige Socken und Sonnenbrille und Creepers, die sogenannten Leisetreter. Das waren flache Turnschuhe mit einer dicken und weichen, durchgängigen gestreiften Kreppsohle. Meist wurde gebürstetes Kalbsleder verwendet, das entweder geschnürt oder mit einer Schnalle versehen wurde. Die Sohle war bis zu 5 Zentimeter dick und die Creepers waren meist schwarzweiß geflochten oder sehr bunt. Auch einfarbig schwarz war sehr beliebt. Es gibt die Schuhe immer noch und sie sind sowohl in sehr bunt, unifarben oder auch im Leoparden Look bei Punks und Rockabillys angesagt.


Auch Hakenkreuze und ähnliche Symbole fanden sich oftmals in der Kleidung der Punks und sollten vor allem provozieren. Selbstgestaltete T-Shirts, zerrissene oder auffällig gestaltete Hemden wurden neben der auffälligen Frisur zu ihren Markenzeichen. Weitere Kleidungsstücke und Accessoires der Punk-Szene:


-bunt bemalte Lederjacken
-Uniformteile, Military Fashion, Patronengurte
-karierte Hosen, gebleichte Domestoshosen
-Schottenröcke
-Netzhemden und Netzstrümpfe
-Anstecker, Aufnäher, Metallketten, Sicherheitsnadeln
-Zebra, Tiger- oder Leoparden Look
-Nieten, Reißverschlüsse, antifaschistische Zeichen
-Bondagehosen
-Schnürstiefel, Arbeitsschuhe, Sicherheitsschuhe (Besonders Dr. Martens)



Eine berühmte Designerin ist die britische Modeikone Vivienne Westwood, die mit der Punkmode weltweite Berühmtheit erlangte.



Schwarzer Modeguide der 80 er Jahre: https://www.spontis.de/schwarze-szene/styling-mode/schwarzer-modeguide-80er-bogey-und-der-realitat/
Creepers vom Musik Magazin Rockability Rules: https://www.rockabilly-rules.com/blog/creepers-leisetreter-im-fokus-2/
Punk is not dead von uni.de: https://uni.de/redaktion/punks-not-dead



Schwarzer Modeguide der 80 er Jahre: https://www.spontis.de/schwarze-szene/styling-mode/schwarzer-modeguide-80er-bogey-und-der-realitat/
Creepers vom Musik Magazin Rockability Rules: https://www.rockabilly-rules.com/blog/creepers-leisetreter-im-fokus-2/
Punk is not dead von uni.de: https://uni.de/redaktion/punks-not-dead